Fähnli Elch und Tiger
Die Geschichte von Tigris und Elchior
Vor vielen Jahrhunderten, in einer Zeit als das einfache Volk unter dem Joch der Feudalherrschaft zusammen zu brechen drohte und der schwarze Tod sie wie die Fliegen dahinraffte ergab es sich, dass die Götter mit den Menschen Gnade zeigten. Sie sandten der Menschheit auf dem Flusse Murg in einem kleinen Schilfkästchen zwei junge Kinder, die den Gang der Welt zum Guten wenden sollten.
Die beiden Knaben, halb Menschen halb Götter, wurden von einer einfachen Wäscherin im Dorfe Frauenfelden aus dem Flusse gezogen. Die Frau und ihr Mann, deren Namen im Laufe der Zeit vergessen gingen, zogen die beiden Kinder auf als wären sie ihr eigen Fleisch und Blut. Sie gaben ihnen die Namen Tigris und Elchior. Doch die Ankunft der beiden Kinder blieb nicht unbemerkt. Die Götter der Unterwelt und ihre menschlichen Lakaien hatten beobachtet, dass das Netz der Schicksalsfäden neu gewoben wurde. So schickten sie ihre gefährlichsten Reiter auf die Suche nach den beiden Halbgöttern. Nur knapp entkam die junge Familie den Fängen des Bösen. Sie flohen in ein entferntes Dorf am Fusse des Helfenbergs.
Die Jahre zogen ins Land und aus den beiden Knaben wurden junge Männer. Schon früh stellte sich heraus, dass sie anders waren als die anderen Kinder. Sie waren stärker, schlauer und schneller. Unter den ärmlichen Bedingungen und der Unterdrückung durch die Herrscherschicht war es nur eine Frage der Zeit, bis der erste Revolutionsgedanke in den beiden keimte. Sie waren nicht die einzigen und schon bald hatte sich um Tigris und Elchior eine grosse Gruppe von kampfbereiten Aufständigen gebildet.
Unter falschem Vorwand lockten sie die Armee des habgierigen Königs in eine enge Schlucht, wo sie den Pfeilbögen der Aufständigen hoffnungslos ausgeliefert waren. So kam es, dass Tigris und Elchior die königliche Armee, die ihnen anzahlmässig zehn zu eins überlegen war an nur einem Tag auslöschte. Siegreich zogen sie in die Hauptstadt Frauenfelden und übernahmen das Zepter über das Reich Thurgovium. Fortan herrschten sie über ihr Königreich mit den Grundsätzen von Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit. Beide Brüder gründeten eine Familie und zeugten viele Kinder. Elchior regierte den Norden des Reichs. Sein Wappen zierte ein kräftiger Elch. Tigris kümmerte sich um den Süden. Als königlichen Zeichen wählte er den Tiger.
Doch da es sich hier nicht um einfaches Märchen eines dahergelaufenen Barden sondern um eine wahre Gegebenheit handelt, endet diese Erzählung nicht mit dem Reich in seiner vollen Blüte sondern mit seinem Untergang.
So kam es, dass die Götter der Unterwelt einen teuflischen Plan ausheckten. Sie schickten einige ihrer Untertanen aus dem finsteren Reich Turicium in den Norden und denn Süden des Reichs der Gebrüder. Die Untertanen des Bösen säten in den beiden Teilen des Reiches böse Gerüchte über den jeweils anderen Herrscher und es kam wie es kommen musste.
Schon nach einigen Monaten brach das einst glorreiche Königreich in zwei verfeindete Teile auseinander. Als die Lakaien des Bösen dann die Ehefrau von Elchior ermordeten und den Mord seinem Bruden Tigris anhängten, brach der Krieg zwischen den beiden Reichen aus. So standen an einem denkwürdigen Tag die Armeen der beiden Halbgötter am Fusse des Helfenbergs, ihrer ehemaligen gemeinsamen Heimat, in einer der blutigsten Schlachten der Geschichte gegenüber. Am Ende des Tages zeigte sich das bittere Ergebnis der Schlacht. Beide Halbgötter und unzählige ihrer Mitstreiter waren auf dem Schlachtfeld gefallen. Die wenigen Überlebenden zogen sich führungslos zurück in ihre Heimat.
Als die Götter sahen, was sie durch ihr Eingreifen in den Lauf der Welt angerichtet hatten, entschieden sie sich, noch ein letztes Mal in die Dinge der Menschen einzumischen. Durch den Tod von Elchior und Tigris war ihre Schuld noch nicht getilgt, denn immer noch pulsierte das göttliche Blut in den Kindern der beiden Brüder und es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Geschichte wiederholen würde. So belegten die Götter die Nachkommen von Elchior und Tigris mit einem Fluch, sodass sie sich nicht mehr von den anderen Menschen unterscheiden sollen. Erst wenn sich die Nachkommen von Tigris unter dem Zeichen des Tigers mit den Nachfahren von Elchior unter dem Zeichen des Elchs in Friede am Fusse des Helfenbergs treffen würden, soll der Fluch gebrochen werden.
Doch die Jahre zogen ins Land und das Orakel, welches den Göttern von dem friedlichen Treffen berichten sollte, wartete vergebens. So wurde die Geschichte der beiden Brüder, die vom Bösen verleitet wurden zu einer Erzählung, aus der Erzählung wurde eine Sage, aus der Sage wurde ein Märchen und irgendwann geriet dieses Märchen in Vergessenheit. Doch das Orakel wartete, bis zum heutigen Tag.
Ruf Fähnli Elch
Hokus, pokus, eins zwei drei,
Mir sind d Gruppe einerlei,
Mir sind öppe gar kei Mölch,
Mir sind d Staregruppe Elch
Ruf Fähnli Tiger
Drauf, Tiger, drauf,
Nämed s Schwert am Knauf,
Gend am Stab en Hick in Grind,
Dass er weiss wa Tiger sind
© Pfadi Helfenberg Frauenfeld. Zuletzt geändert am 11.01.2011
